Wissen vs. Bildung

Habe nun das erste Kapitel "Wer wird Millionär oder: Alles, was man wissen muß." von Konrad Paul Liessmann gelesen, welches in einem Kommentar vorgeschlagen wurde. Es ist in der Tat sehr unterhaltsam. Im ersten Kapitel behandelt Liessmann den Begriff Bildung. Liessmann nutzt Bildung und Wissen synomym. Gleichzeitig versucht er Bildung und Wissen voneinander abzugrenzen, ohne es allerdings explizit zu erwähnen. Aber schließlich bedeutet Wissen für ihn unabhängige, ungeordnete sowie gleichgewichtete Wissensstücke analog Google. Bildung hingegen sei ein sich geschlossenes geordnetes Wissenssystem entsprechend z.B. Schwanitz, Bildungsideen der Aufklärung, Bildungsideen des Neuhumanismus.

Ich selbst vertrete ja die Auffassung, dass Bildung nicht als eine Ansammlung von Wissen - sei sie nun ungeordnet oder geordnet - zu verstehen ist. Statt dessen stellt Bildung eine Befähigung dar, sich Wissen anzueignen, Wissen anzuwenden, sich seine eigene Meinung zu bilden und dementsprechen zu handeln. Aufgabe vom Bildungssystem besteht in der Bildung des Einzelnen, d.h. genau diese Befähigung zu lehren. Somit weicht meine Auffassung von beiden Bildungsdefinitionen Liessmanns ab.

Besonders beeindruckt jedoch ein anderer Satz aus dem ersten Kapitel: "Die Frage, was man wissen muss, zielt schon auf eine Zielvorstellung ab, für die dieses Wissen einen funktionalen Wert hat."
Dabei entspringen aus diesem Satz zwei Dimensionen. Einerseits sagt er etwas darüber aus, was man wissen sollte. Andererseits wird damit gleichzeitig der Erfolg vom Bildungssystem definiert. Ein Bildungssystem ist nämlich genau dann erfolgreich, wenn mit dem darin Erlernten zuvor definierte Ziele vom Bildungssystem erreicht werden. Ich vermeide bewusst das Wort Wissen, weil wie oben schon erwähnt, Wissen nur eine Dimension von Bildung darstellt.

Wie nun allerdings solch ein Bildungssystem aussehen könnte, welches oben genannte Befähigung vermittelt, wird in den nächsten Artikeln beschrieben.

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